{"id":1585,"date":"2023-01-16T08:24:20","date_gmt":"2023-01-16T08:24:20","guid":{"rendered":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/?p=1585"},"modified":"2023-01-16T08:24:20","modified_gmt":"2023-01-16T08:24:20","slug":"was-macht-einen-social-entrepreneur-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/was-macht-einen-social-entrepreneur-aus\/","title":{"rendered":"Was macht einen Social Entrepreneur aus?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Sie m\u00f6chten nur noch kurz die Welt retten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fl\u00fcchtlingskrisen, Klimawandel, Naturkatastrophen, Umweltverschmutzung, Epidemien, Hungersn\u00f6te, Diskriminierung, Artensterben, Kinder- und Altersarmut, Bildungsnotstand \u2013 die Schreckensliste lie\u00dfe sich noch um etliche Punkte verl\u00e4ngern. Dass es sich dabei nicht um das Setup einer dystopischen Filmproduktion handelt, sondern um den realen Ist-Zustand unserer Welt, l\u00e4sst die Aufz\u00e4hlung umso bedr\u00fcckender wirken. Doch statt angesichts dieser ausweglosen Situation zu resignieren, machen sich immer mehr Menschen daran, die Welt zu retten \u2013 nicht gleich die ganze, aber einen kleinen Teil davon. Je mehr es werden, umso hoffnungsvoller k\u00f6nnen wir in die Zukunft blicken. \u00dcber 100.000 Sozialunternehmen und mehr als 154.000 Social Entrepreneurs gibt es bereits in Deutschland und es werden mehr. Sie alle versuchen, auf unternehmerische Weise einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen und die dr\u00e4ngenden Probleme unserer Zeit mit innovativen Ans\u00e4tzen zu l\u00f6sen. Das wirtschaftliche Ziel, also maximales Wachstum, wird dem sozialen Zweck untergeordnet, ohne dabei das unternehmerische Denken zu vernachl\u00e4ssigen. Die ambitionierten Unternehmer streben hingegen nach einem m\u00f6glichst hohen Social Impact, also einer positiven Wirkung ihrer Produkte und Dienstleistungen auf die Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eNormale\u201c Unternehmen sind den Problemen der Zeit nicht gewachsen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>SEND ist das gr\u00f6\u00dfte Social Entrepreneurship Netzwerk in Deutschland und in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Aktuell z\u00e4hlt der Verein insgesamt 800 Mitglieder, 450 davon Sozialunternehmen. \u201eAllein im vergangenen Jahr konnten wir 50 neue Social Enterprises als Mitglieder aufnehmen\u201c, berichtet Flavia Perissinotto, Project Managerin f\u00fcr Social Entrepreneurship bei SEND e.V. Auf die Frage nach den Beweggr\u00fcnden, ein soziales Unternehmen zu gr\u00fcnden, antwortet sie: \u201eDie intrinsische Motivation ist meist sehr stark. Den Unternehmer:innen geht es prim\u00e4r darum, etwas zu bewegen und zu ver\u00e4ndern \u2013 eine gesellschaftliche Herausforderung zu l\u00f6sen und die Transformation in der Wirtschaft anzusto\u00dfen.\u201c Das belegt auch der aktuelle Deutsche Social Entrepreneurship Monitor (DSEM), eine Studie, f\u00fcr die SEND e.V. bereits zum vierten Mal detaillierte Daten von 360 befragte Unternehmen zusammengetragen hat. Demnach wollen immer mehr junge Menschen sinnerf\u00fcllt arbeiten. In einem Sozialunternehmen l\u00e4sst sich das unmittelbar realisieren. Aber auch auf Verbraucherseite steigt der Wunsch, Produkte zu kaufen, die ethischen, sozialen und \u00f6kologischen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen. Zugleich w\u00e4chst insgesamt der Druck, soziale und Umweltprobleme professionell und mit unternehmerischen Mitteln zu l\u00f6sen. Gewinn- und wachstumsorientierte Unternehmen bieten daf\u00fcr oft nicht die passenden Strukturen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist nicht immer leicht, Gutes zu tun<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eObwohl \u00fcberall von \u201aUmdenken\u2018 gesprochen wird und Politik sowie Presse die wachsenden globalen Herausforderungen st\u00e4rker thematisieren, haben es Sozialunternehmen bei uns immer noch sehr schwer\u201c, wei\u00df Flavia Perissinotto. \u201eDie langfristige Finanzierung ist dabei eines der gr\u00f6\u00dften Probleme. Business Angels und Venture Capitalists gibt es in dem Bereich kaum. Soziales Unternehmertum besitzt in Deutschland noch immer keine eigene Rechtsform und von den Banken werden die jungen Firmen als ein zu hohes Risiko gesehen, um finanziert zu werden.\u201c Nicht zuletzt, weil die erwirtschafteten Gewinne prim\u00e4r in den sozialen Unternehmenszweck und nicht in eine schnellere Schuldentilgung flie\u00dfen. Knapp 56 Prozent finanzieren ihr Vorhaben daher aus eigenen Ersparnissen. Von der Politik w\u00fcnschen sich die Protagonisten B\u00fcrokratieabbau bei \u00f6ffentlichen F\u00f6rderprogrammen und besseren Zugang zu Finanzierungsm\u00f6glichkeiten. Einhergehend mit finanziellen Problemen sorgen sich viele Sozialunternehmer:innen um Defizite in ihren kaufm\u00e4nnischen Kenntnissen. Sind sie doch in erster Linie angetreten, um Gutes zu tun. Und obwohl eine sinnstiftende T\u00e4tigkeit nachweislich die eigene Leistungsf\u00e4higkeit und Motivation steigert, \u00fcbernehmen sich manche junge Gr\u00fcnder:innen mit ihrer Aufgabe. Zum einen aufgrund fehlender kaufm\u00e4nnischer Erfahrung, zum anderen weil sie sich schlecht dabei f\u00fchlen, ab und an das eigene Wohl in den Vordergrund zu stellen. Nicht selten ist Burn-Out die Folge.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was macht einen Social Entrepreneur aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch nehmen immer mehr Menschen die unternehmerischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die die Gr\u00fcndung eines Social Enterprise mit sich bringt, an. Warum? \u201eIch glaube, es ist das starke Bed\u00fcrfnis, etwas ver\u00e4ndern zu wollen oder gar zu m\u00fcssen, das vor allem junge Menschen versp\u00fcren. Sie haben den gesellschaftlichen Wertewandel bereits verinnerlicht, der bei \u00e4lteren Generationen nur langsam durchsickert\u201c, sagt die SEND Projektmanagerin. \u201eDiese jungen Menschen sehen ein Problem in der Welt oder sind selber davon betroffen und wollen die \u00c4rmel hochkrempeln und es angehen. Viele von ihnen werden im Studium oder in der Ausbildung von der Idee eines Sozialunternehmens inspiriert und sehen ihre Zukunft dort.\u201c Dieser Entwicklung folgend bieten mittlerweile auch die ersten Universit\u00e4ten in Deutschland Studieng\u00e4nge f\u00fcr Social Entrepreneurship an, wie etwa die Universit\u00e4t Bayreuth, die Hochschule f\u00fcr nachhaltige Entwicklung Eberswalde oder die Hochschule Neu-Ulm. Doch nicht nur die junge Generation ist vom Sozialunternehmertum \u00fcberzeugt: Eine KfW-Studie zum Thema \u201eSocial Entrepreneurs in Deutschland\u201c zeigt, dass jede:r vierte Sozialunternehmer:in \u00fcber 50 Jahre alt ist. Auch bei ihnen stehe laut Flavia Perissinotto die Sinnfrage im Vordergrund. \u201eNach vielen Arbeitsjahren in der konventionellen Wirtschaft m\u00f6chten sie ihre Erfahrungen und ihr Knowhow noch einmal voll und ganz einer guten, sinnvollen Aufgabe widmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mehr weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte, mehr Teamplayer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die besagte KfW-Studie stellt noch weitere Charakteristika von Sozialunternehmer:innen fest, die sie von normalen Gr\u00fcnder:innen abhebt. So ist der Frauenanteil unter den Social Entrepreneurs mit 53 Prozent deutlich h\u00f6her als bei anderen Jungunternehmern. Laut aktuellem DSEM sind mehr als drei Viertel der Gr\u00fcnderteams weiblich oder mindestens geschlechtergemischt. Mehr als jedes f\u00fcnfte Social-Enterprise wurde ausschlie\u00dflich von Gr\u00fcnderinnen aufgebaut. Auch sind Sozialunternehmer:innen weniger arbeitsmarktgetrieben und einkommensorientiert. Nur 17 Prozent w\u00e4hlten laut KfW-Studie die Selbstst\u00e4ndigkeit, weil ihnen eine bessere Erwerbsalternative fehlte. Dem Gro\u00dfteil gehe es hingegen um die Umsetzung einer sozialen Gesch\u00e4ftsidee und um Selbstverwirklichung. Sozialunternehmer:innen sind zudem h\u00e4ufiger Teamplayer, arbeiten zusammen mit anderen Social Entrepreneurs oder besch\u00e4ftigen Mitarbeiter. Und sie sind deutlich regionaler aufgestellt als normale Startups: Fast ein Drittel der DSEM-Social-Enterprises wirkt in der direkten Nachbarschaft, knapp 40 Prozent in einer Stadt oder einer Kommune. Dabei sind sie laut Flavia Perissinotto vor allem im Food-Bereich, bei Konsumg\u00fctern und im Sektor Bildung Sozialunternehmen erfolgreich t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus der Nische in den Mainstream und in die Lieferketten der Big Player<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfes Potenzial sieht die SEND Managerin aber noch in einem anderen Bereich. \u201eAls Verein unterst\u00fctzen wir Social Enterprises dabei, in den Lieferketten konventioneller Unternehmen Fu\u00df zu fassen. Daf\u00fcr hat SEND gemeinsam mit SAP die \u201aBuy Social Challenge\u2018 ins Leben gerufen.\u201c Die Idee dahinter: Der Verein vernetzt klassische Unternehmen mit Social Enterprises und f\u00f6rdert zielgerichtete B2B-Partnerschaften, damit herk\u00f6mmliche Lieferketten mehr und mehr mit Sozialunternehmen besetzt werden. \u201eWenn ein Unternehmen Produkte und Dienstleistungen ohnehin einkaufen muss, wieso dann nicht von Social Enterprises?\u201c Die Teilnehmer der Challenge macht SEND fit f\u00fcr das B2B-Gesch\u00e4ft \u2013 mit Mentoring-Programmen, Pitch Events, Coachings und Schulungen. \u201eIn diesem Jahr haben wir uns auf das Capacity Building bei den Sozialunternehmen konzentriert. Ab n\u00e4chstem Jahr wollen wir aktiv mit Eink\u00e4ufer:innen konventioneller Unternehmen arbeiten. Wir erstellen Lieferkettendiagnosen und Matchings mit passenden Sozialunternehmen, um so erfolgreiche Partnerschaften auf den Weg zu bringen. Letztendlich steigern wir so auch die Bekanntheit der Social Enterprises und das ist wichtig auf dem Weg aus der Nische in den Mainstream.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-send wp-block-embed-send\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.send-ev.de\/\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.send-ev.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/4_DSEM_web.pdf\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/social-entrepreneurs-soziale-wirkung-als-geschaeftsmodell-100.html\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.kfw.de\/PDF\/Download-Center\/Konzernthemen\/Research\/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft\/Fokus-2019\/Fokus-Nr.-238-Januar-2019-Sozialunternehmer.pdf\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zahl der Sozialunternehmen oder Social Enterprises in Deutschland w\u00e4chst best\u00e4ndig und das, obwohl der Weg f\u00fcr junge Gr\u00fcnder oft steiniger ist als f\u00fcr andere Startups. Umso st\u00e4rker ist ihre Motivation, mit einer Idee, Flei\u00df und viel Arbeit Gutes zu tun \u2013 nicht prim\u00e4r f\u00fcr sich selbst, sondern f\u00fcr uns alle. Der Verein SEND e.V. unterst\u00fctzt und begleitet Sozialunternehmen mit wertvollem Knowhow und indem er vielversprechende Partnerschaften in die Wege leitet.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1422,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[32],"tags":[75,74,14],"class_list":{"0":"post-1585","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-soziales-engagement","8":"tag-social-entrepreneurship","9":"tag-sozialunternehmen","10":"tag-vereinsfuehrung"},"acf":[],"fimg_url":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/app\/uploads\/2022\/09\/AdobeStock_302682764-768x512.jpeg","fimg_alt_text":"Social Entrepreneurship","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1585","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1585"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1585\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1594,"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1585\/revisions\/1594"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1422"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1585"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1585"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}