{"id":1846,"date":"2023-06-15T13:29:12","date_gmt":"2023-06-15T13:29:12","guid":{"rendered":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/?p=1846"},"modified":"2023-06-15T13:30:32","modified_gmt":"2023-06-15T13:30:32","slug":"digitales-freiwilligenmanagement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/vereinsmagazin\/digitales-freiwilligenmanagement\/","title":{"rendered":"Digitales Freiwilligenmanagement"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/benedetto.deutsches-ehrenamt.de\/wp\/wp-admin\/edit.php?post_type=post\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Vereinsarbeit zukunftsf\u00e4hig gestalten will, kommt nicht umhin, mit der Zeit zu gehen. Digitale Kommunikation nach innen und au\u00dfen ist heute keine Option mehr, sondern ein Muss, will man neue engagierte Mitstreiter gewinnen. Von Mitgliederakquise bis Spendensammlung gibt es inzwischen eine Vielzahl gro\u00dfartiger Ideen, die Vereinen helfen, sich dem digitalen Lifestyle anzupassen und ihn aktiv f\u00fcr sich zu nutzen. Die Plattform letsact ist eine davon. Als \u201eTinder f\u00fcr das Ehrenamt\u201c macht das junge Team seit 2018 Furore und bringt gemeinn\u00fctzige Projekte mit freiwilligen Helfern unkompliziert \u00fcber eine App zusammen. Wir haben uns von Vereinsvorst\u00e4ndin Lena Glemser Tipps f\u00fcr die digitale Vereinsarbeit geholt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lena, ihr seid ein junges Team und mit dem Smartphone aufgewachsen. Ist es f\u00fcr euch nachvollziehbar, dass viele Vereine noch immer ganz analog arbeiten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTats\u00e4chlich habe ich meine Kindheit noch weitgehend ohne Smartphone erlebt und kann mich sehr gut erinnern, wie seltsam dann der erste Kontakt mit dem World Wide Web f\u00fcr mich war. Alles Neue ist erst einmal ungewohnt und damit auch be\u00e4ngstigend. Dass vor allem \u00e4ltere Vereine oder Wohlfahrtsverb\u00e4nde eine gewisse Scheu haben, die etablierten analogen Prozesse zu digitalisieren, kann ich durchaus nachvollziehen. Hinzu kommt, dass viele Vereine rein ehrenamtlich gef\u00fchrt werden und es dadurch schwieriger sein kann, tiefgreifende Ver\u00e4nderungen anzusto\u00dfen. Fakt ist aber auch: Wir wissen gar nicht, was wir alles nicht wissen und wohin uns das bringen kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was genau meinst Du damit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eViele Vereine haben keine Vorstellung von den M\u00f6glichkeiten, die neue Tools f\u00fcr das Projektmanagement, die Kommunikation oder das Controlling mit sich bringen und welche Vorteile sie daraus ziehen k\u00f6nnten. Zudem erscheinen digitale Tools anfangs auch kostspielig. Das \u00e4ndert sich aber schnell, wenn man den Nutzen abw\u00e4gt. Beim Online-Fundraising erreicht man beispielsweise 100 Leute \u00fcber TikTok oder Meta f\u00fcr 1,20 Euro. In analoger Form w\u00fcrden sich die Kosten f\u00fcr die auszusendenden Briefe auf circa 500 Euro belaufen. Digitale Spenderansprache und Spendenverwaltung lohnt sich also. Und da es unsere Aufgabe ist, mit den Spendergeldern so effizient wie m\u00f6glich umzugehen, halte ich es f\u00fcr wichtig, aktuelle Vorgehensweisen immer wieder zu hinterfragen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Chancen siehst Du in der Digitalisierung f\u00fcr das Ehrenamt und wo sto\u00dfen Computer, Cloud &amp; Co. an ihre Grenzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZum einen lassen sich wiederkehrende, administrative Arbeitsabl\u00e4ufe durch cloudbasierte Anwendungen automatisieren. Der Verein kann mit den richtigen Tools also produktiver arbeiten. Digitale Angebote k\u00f6nnen aber auch neue Zielgruppen erschlie\u00dfen. Die Covid-Pandemie brachte einen wahren Digitalisierungsschub und mit ihm neue M\u00f6glichkeiten, sich ehrenamtlich einzubringen. &nbsp;Eine aktuelle Umfrage unter den letsact UserInnen hat ergeben, dass 76,1 Prozent der Freiwilligen bereit w\u00e4ren, sich remote zu engagieren. Sie w\u00fcnschen sich Flexibilit\u00e4t auch im Ehrenamt, und die wird durch ortsunabh\u00e4ngiges digitales Engagement gew\u00e4hrleistet. Aber das ist noch nicht alles: NPOs k\u00f6nnen dank genauerer Zielgruppenanalysen ihre Spendeneinnahmen signifikant erh\u00f6hen. Grenzen setzen hingegen Datenschutz und Informationssicherheit, die aufgrund der wachsenden Komplexit\u00e4t oft nicht mehr ehrenamtlich verantwortet werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ehrenamtliches Engagement ganz einfach per App &#8211; mit letsact trefft ihr absolut den digitalen Zeitgeist. Wie kam es damals zu der Idee?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn man sich sozial engagieren will, muss man einige H\u00fcrden \u00fcberwinden: eine passende Organisation oder Initiative finden, dann h\u00e4ufig \u00fcber mehrere Stellen Kontakt aufnehmen und schlie\u00dflich einen Dschungel an B\u00fcrokratie durchqueren. Dieser Prozess ist gr\u00f6\u00dftenteils analog, langwierig und m\u00fchsam. Au\u00dferdem wei\u00df man h\u00e4ufig gar nicht, welche tollen Projekte es in der unmittelbaren N\u00e4he \u00fcberhaupt gibt. So ging es unseren Gr\u00fcndern Paul B\u00e4umler und Ludwig Petersen damals und wie ihnen 33 Prozent aller Menschen in Deutschland, die sich sozial engagieren wollten, aber nicht wussten wo und wie. Um das zu \u00e4ndern und den Weg zum Ehrenamt einfach, unkompliziert und spa\u00dfig zu machen, haben die beiden dann letsact gegr\u00fcndet. Au\u00dferdem wollten wir zeigen, dass man nicht erst die Welt bereisen muss, um Gutes zu tun. Viele spannende Projekte warten direkt um die Ecke und mit letsact f\u00f6rdern wir das lokale Engagement.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was kann die App mittlerweile alles?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnsere Reise begann vor mittlerweile \u00fcber f\u00fcnf Jahren, in denen sich die App immer wieder neu geformt und ver\u00e4ndert hat. Aktuell bekommen Volunteers, die sich registriert haben, basierend auf ihrem Standort und anderen Filtern passende Angebote aus der Umgebung zugespielt. Mit wenigen Klicks k\u00f6nnen sie sich dann genaustens \u00fcber die Projekte informieren und bei Interesse direkt teilnehmen oder sich bewerben. In unserem Community-Feed f\u00fchren wir einen informativen Blog, der auch zeigt, wo sich andere Freiwillige in letzter Zeit engagiert haben. Und wer nicht als Volunteer t\u00e4tig sein m\u00f6chte oder kann, hat \u00fcber die App die M\u00f6glichkeit, sich stattdessen mit einer Spende f\u00fcr Projekte seiner Wahl einzusetzen. Nat\u00fcrlich ruhen wir uns nicht aus. \u00dcber Umfragen holen wir uns wichtiges Feedback von den Volunteers mit dem wir die App immer wieder anpassen und optimieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kann ein lokaler oder regionaler Verein die App konkret f\u00fcr sich nutzen und welche Voraussetzungen m\u00fcssen erf\u00fcllt sein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJede gemeinn\u00fctzig eingetragene Organisation, mit demokratischen Grundwerten, kann sich in wenigen Schritten auf unserer Homepage registrieren. Damit erh\u00e4lt sie Zugang zum letsact Web Dashboard und kann dort eigene Engagements und Projekte hochladen oder Anfragen von Freiwilligen bearbeiten und verwalten. Neben der Vernetzung mit passenden Volunteers, stellen wir Vereine auch gern in unserem Newsletter oder der Social Media Community vor, um ihnen mehr Aufmerksamkeit und Reichweite zu geben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wird ein Volunteer automatisch Mitglied im Verein, dessen Projekt er\/sie unterst\u00fctzt? Und falls nicht, wie sind Verein und Freiwillige in dem Fall rechtlich abgesichert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, die jeweilige Vereinsmitgliedschaft wird in unseren Projektbeschreibungen nicht Kriterium f\u00fcr ein Engagement aufgef\u00fchrt. Nach einem Match verl\u00e4uft die Kommunikation aber unabh\u00e4ngig von uns zwischen Volunteers und Organisation. Wir wissen also nicht, ob, wann oder wie Volunteers zu Mitgliedern werden. Wenn es f\u00fcr alle Beteiligten passt \u2013 warum auch nicht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Habt Ihr ein paar Zahlen f\u00fcr uns? Wie viele Projekte zum Beispiel wurden mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung von \u201eLetsactlern\u201c bislang umgesetzt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber klar: Bisher konnten wir \u00fcber 140.000 Menschen von unserer Plattform \u00fcberzeugen und zum Download animieren und mit ihrer Hilfe wurden \u00fcber 20.000 Projekte vermittelt. Auf unserer Plattform sind aktuell \u00fcber 2.000 Organisationen registriert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Letsact vermittelt personelle und finanzielle Ressourcen an gemeinn\u00fctzige Organisationen \u2013 eine gro\u00dfe Hilfe f\u00fcr viele Vereine, die mit sinkenden Mitgliederzahlen k\u00e4mpfen. Gibt es noch weitere digitale Tools, die ihr f\u00fcr eine effiziente Vereinsarbeit empfehlen k\u00f6nnt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, da g\u00e4be es ein paar. Besonders hervorzuheben w\u00e4ren zum Beispiel Notion, Wonder, Slack, Miro und Goofle Suite. Wenn Vereine remote Strukturen haben, ist man mit diesen Tools f\u00fcr eine effektive Zusammenarbeit definitiv gut aufgestellt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie digital arbeitet ihr bei letsact? Seid ihr zum Beispiel papierlos?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, wir arbeiten in der Tat papierlos. Das letsact-Team verteilt sich \u00fcber ganz Deutschland und dar\u00fcber hinaus. F\u00fcr unsere t\u00e4gliche Kommunikation nutzen wir haupts\u00e4chlich Slack und Google Meets, f\u00fcr Dokumentation und Ablage Notion und Google Drive und f\u00fcr Strategieentwicklung und Zielplanungen meist das digitale Whiteboard Miro oder Mural. Der Gro\u00dfteil unserer Post wird \u00fcber ein digitales Postfach \u00fcbermittelt. Daf\u00fcr nutzen wir Caya. Wir halten auch immer die Augen nach neuen Tools offen, um auch Prozesse f\u00fcr unserer UserInnen effizienter zu gestalten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abgesehen vom digitalen Potenzial \u2013 welche Ziele hat sich der letsact f\u00fcr 2023 gesteckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eManchmal braucht es ein paar Schritte zur\u00fcck, um wieder vorw\u00e4rts gehen zu k\u00f6nnen. Wir haben zuletzt viel Zeit investiert, uns und die Wirkung, die wir erzielen, zu hinterfragen. &nbsp;Deshalb ist eines unserer Hauptvorhaben in diesem Jahr, letsact nochmal neu zu denken. Unser Team arbeitet gerade an einer neuen Version der App, die deutlich schlanker, User-zentrierter und vor allem fokussierter auf die urspr\u00fcngliche letsact-Vision sein soll. Wir m\u00f6chten den Registrierungsprozess erweitern, sodass durch die Angaben von Hard und Soft Skills Matches noch passgenauer f\u00fcr beide Seiten werden.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind Vereinsstrukturen \u00fcber viele Jahre gewachsen, f\u00e4llt es den Verantwortlichen oft schwer, dieses etablierte Konstrukt durch moderne Prozesse zu ersetzen. Gerade beim Thema Digitalisierung bremst die eigene Unsicherheit jeden aufkeimenden Enthusiasmus. Die Angst vor Kontrollverlust und einem langwierigen Umstellungschaos ist gro\u00df. Besser \u201enever change a running system\u201c? Doch, sagt Lena Glemser von letsact und appelliert f\u00fcr mehr Mut und Experimentierfreude in Vereinen. 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